Pilgerwege
Kapellenweg Böbrach
Wie in der gesamten Region des Bayerischen Waldes gibt es auch im Böbracher Raum eine große Anzahl von Kapellen in der Flur und an Wegrändern. Kraftvoll stehen sie an ihren Plätzen als stumme Zeugen bäuerlicher Besiedlungsgeschichte und sichtbare Zeichen bodenständiger Volksfrömmigkeit. Ihre Entstehung geht oft auf Versprechen und Gelübde zurück; vielfach sind sie der Muttergottes geweiht, manchmal auch dem Andenken der Opfer der beiden Weltkriege gewidmet. Bei vielen Kapellen findet sich noch heute die Ortsbevölkerung zusammen zu Maiandachten, Rosenkranz- und Gedenkandachten. Von ihren Besitzern liebevoll gepflegt.
Kapellen wollen uns etwas erzählen, an etwas erinnern; sie sind Marksteine auf der Spurensuche zu unserer Geschichte und zu uns selbst. Sie laden ein zum staunenden Betrachten und besinnlichen Verweilen in Stille und Abgeschiedenheit fernab von der Hektik des Alltags. Um mit Muße und ohne Zeitdruck bei den einzelnen Kapellen beschauliche Einkehr halten zu können, empfiehlt es sich, den vorgeschlagenen Kapellenwanderweg auf mehrere Tage verteilt zu erwandern bzw. zu "erfahren".
Auerkieler Kirche
Nach dem Bau der Auerkieler Schule (1906) wurde vom damaligen Kooperator Georg Strohmeier 1910 ein Verein zur Erbauung einer Schulmesskapelle gegründet. Erbaut nach den Plänen des Münchner Architekten Theodor Mayer konnte die Schulkirche im September 1923 feierlich eingeweiht werden. An Stelle des hölzernen Dachreiters wurden 1963 der bestehende Kirchturm errichtet und die Sakristei erweitert. Die 6 Glasfenster wurden von der Glasmalereianstalt Kurlander in Passau gefertigt. Die Kirche ist dem am Kreuze erhöhten heiligsten Herzen Jesu geweiht. Von 1945 bis 1967 wirkte hier ein eigener Seelsorger.
Hofkapelle Ernst in Etzendorf
Auf halbem Weg von Böbrach nach Auerkiel trifft man in der kleinen Ortschaft Etzendorf auf zwei sehenswerte Kapellen. An der linken Straßenseite am Ortseingang steht die neu renovierte Hofkapelle der Familie Ernst. Ihr besonderes Gepräge erhält sie durch eine Reihe original erhaltener Totenbretter der Vorbesitzerfamilien aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Eine Rarität stellt dabei ein Doppeltotenbrett für ein Ehepaar dar, auf dem ein Uhrensymbol die jeweilige Todesstunde anzeigt. Der Altaraufbau stammt aus dem 19., die übrige Einrichtung aus dem 19. und 20. Jahrhundert.
Hofkapelle Pfeffer in Etzendorf
Die zweite Kapelle liegt rechterhand in der angrenzenden Wiese des Anwesens der Familie Pfeffer, in deren Privatbesitz sie sich befindet. Ihre Entstehung wird in die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts datiert. Mit ihrer bestechend schlichten Bauform und der Schindeldacheindeckung fügt sie sich harmonisch in die Landschaft ein. Der Kreuzweg und das Altarbild wurden 1997 vom Kunstmaler Hans Höcherl aus Krailing geschaffen. Gefasste Schnitzfiguren des hl. Leonhard und der hl. Notburga rahmen stilvoll den Altar ein.
Kapelle am Eck
Eck, das schon 1280 im herzoglichen Salbuch Erwähnung findet, gehörte früher den Schergen von Böbrach und wird als Braustätte bereits seit 1462 nachgewiesen. Vor dem jetzigen Brauereigasthof steht im Schatten mächtiger Linden die ehemalige Haus- und Hofkapelle. Eine besondere Zierde des kleinen Gotteshauses ist der Barockaltar aus dem 18. Jahrhundert mit einem "Wies-Heiland" (Nachbildung des Gnadenbildes in der Wieskirche zu Steingaden/Pfaffenwinkel), ebenfalls aus dem 18. Jahrhundert. Der Kreuzweg wird vom Volkskundler Prof. Dr. Reinhard Haller auf das Jahr 1870 datiert. Besichtigung zu erfragen in der Brauereigaststätte bei Besitzerin Lydia Schönberger.
Penzkofer - Kapelle
Auf dem Bärnerauweg (ab Rathaus) erreicht man am Ortsrand von Böbrach das Hochplateau der Drachselsebene. Hier steht seit 1980 die Marienkapelle der Familie Paul Penzkofer. Kein besonderes Ereignis, keine drängende Notsituation veranlasste den Bau dieser Kapelle, sondern allein tiefe Glaubensüberzeugung und Frömmigkeit. Diese schlichte Schönheit des Glaubens findet sich auch im Baustil des Kirchleins wieder, das zu beiden Seiten von einer Reihe eindrucksvoller Totengedenkbretter aus dem letzten Drittel des 20. Jahrhunderts gesäumt wird. Innerhalb der reichhaltigen Innenausstattung fallen ein Kruzifix und mehrere Andachtsgegenstände aus dem 19. und 20. Jahrhundert ins Auge. Eine besondere Sehenswürdigkeit stellt eine handgeschnitzte Holzkrippe aus dem Hl. Land (Bethlehem) dar.
Kapelle "Maria am Stein"
Idyllisch liegt die Marienkapelle im Schatten des Waldsaumes über der kleinen Ortschaft Stein. Weit öffnet sich der Blick von hier aus über das Regental und über die Bergketten des Bayerwaldes. Nach einjähriger Bauzeit konnte die Kapelle im Herbst 1950 eingeweiht werden und ist seither das Ziel der Gläubigen aus der Umgebung, aber auch vieler Wanderer. Traditionsgemäß feiert die Pfarrei Böbrach die letzte Maiandacht mit einer Lichterprozession bei dieser Kapelle, die aus Dank über die unversehrte Heimkehr aus dem Krieg von dem aus Stein stammenden Schmied und Bauern Wolfgang Kanak errichtet und fortan "Maria am Stein" genannt wurde. 1988 wurde sie von der Familie Kanak, in deren Privatbesitz sie sich heute noch befindet, mit großartiger Nachbarschaftshilfe einer grundlegenden Renovierung unterzogen, wobei auch der kleine Turm mit Zwiebelhaube neu aufgesetzt wurde.
St. Wolfgangskapelle
Scheinbar schutzsuchend schmiegt sich das kleine Wallfahrtskirchlein an einen Felsvorsprung im steilen Gelände des Wolfgangsriegel. Der Sage nach soll der hl. Bischof Wolfgang auf einer Reise nach Prag durch diese Gegend gekommen sein und an dieser Stelle einige Zeit in völliger Zurückgezogenheit gelebt haben. Bereits um 1600 stand hier eine Holzkapelle, die 1776 von Martin Müller, Brauereibesitzer von Eck, abgerissen und durch ein steinernes Kirchlein zu Ehren des hl. Bischofs Wolfgang ersetzt wurde. Dieses wurde 1849 wegen räumlicher Beschränktheit und Baufälligkeit abgebrochen. An gleicher Stelle wurde als Nachbildung des Kirchleins auf dem Falkenstein/Wolfgangssee die jetzige Kapelle erbaut. Ein Jahr später wurden in mühevoller Arbeit der Kreuzweg und die steinernen Treppen errichtet. Alljährlich zog früher am 31. Oktober eine Prozession der Pfarrei Böbrach zur Wolfgangskapelle. Die Kapelle findet sich seit 1992 im Privatbesitz von Hildegard Weiler.zu Fuß ab Pfarrkirche auf Wolfgangsweg (Nr. 1); Zeit: ca. 45 min.
Kapelle Katzenbach
Das Kleinod ländlicher Kunstdenkmäler steht direkt an der Kreisstraße von Böbrach nach Regen/Langdorf in der kleinen Ortschaft Katzenbach, 9 km von Böbrach entfernt. Nach den Unterlagen des Bay. Staatsarchivs erhielt der Bauer Johann Geiger von Katzenbach 1789 die Erlaubnis zur Errichtung einer Dorfkapelle. 1791 wurde die Kapelle eingeweiht. Es ist jedoch anzunehmen, dass an dieser Stelle schon viel früher eine Kapelle stand, die laut Überlieferung von den Trenkschen Panduren, deren Übernachtung in Katzenbach vor der endgültigen Zerstörung der Burg Weißenstein bei Regen als gesichert gilt, samt den umliegenden Gebäuden verwüstet worden ist. Sehenswert sind der sehr wertvolle Barockaltar der "Hl. Anna selbdritt" sowie der bemerkenswerte Kreuzweg und die durch ihre Schlichtheit eindringlichen Hinterglasbilder "Jesus" und Maria". Eine weitere Besonderheit stellt das Lothringische Kreuz (Doppelkreuz) auf dem Glockenturm dar.
Besichtigung zu erfragen bei Fam. Probst, in deren Privatbesitz sich die Kapelle befindet.
Kirche "St. Maria Magdalena" in Maisried
Von hohen Fichten verdeckt, findet man die Kirche ca. 50 Meter vom Parkplatz entfernt rechterhand an der Staatsstraße Richtung Bodenmais kurz nach dem Ortsausgang. Die Sage, nach der das Gotteshaus als "Kirche auf dem goldenen Leiterwagen" bezeichnet wird, verweist auf die Vergangenheit der Goldwäscherei im benachbarten Rothbach und des Erzbergbaus in unmittelbarer Umgebung, dessen Stollen heute noch vorhanden sind. Die Magdalenenkirche kann auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurückblicken, wie der Volkskundler Prof. Dr. Haller erst jüngst durch umfangreiche Forschungsarbeiten nachgewiesen hat. Als Kapelle mit kleinem Holzturm wird sie erstmals 1559 in Visitationsprotokollen erwähnt. 1722 wurden in einschneidenden Baumaßnahmen das bestehende Langhaus angefügt und der 19,5 m hohe Turm mit Zwiebelhaube errichtet. Im Laufe ihres rund 450jährigen Bestehens mussten viele Reparaturen an der Kirche durchgeführt werden, z. B. im Jahre 1753 nach einer Verwüstung durch Vandalismus und 1766 nach erheblichen Unwetterschäden. Von den Strömungen der Säkularisation erfasst und zum "Staatseigenthum" erklärt, sollte das Filialgotteshaus 1804 als "unnütz und entbehrlich" abgerissen werden. Durch Verkauf an zwei Bauern für 150 Gulden im Jahre 1805 konnte dies verhindert werden. In den folgenden Jahren bestand nur mehr eine Funktion als "Nebenkirche", dabei verlor sie zunehmend an Bedeutung. Ausgeplündert und verfallen wurde sie in den Jahren 1997 bis 2000 durch aufwendige Renovierungsarbeiten wiederhergestellt und neu ausgestattet. Ermöglicht wurde dies durch die Gründung eines Fördervereins.
(Für eingehende Informationen wird auf das Buch "St. Maria Magdalena in Maisried" von Prof. Dr. Reinhard Haller verwiesen.)
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